Die vergiftete Sprache der AfD-Gegner
von Heiner Giersberg
Es war morgens kurz nach halb acht, die Werkstatt hatte gerade geöffnet. Zwei freundliche, gutgekleidete ältere Herren, Typ pensionierte Finanzbeamte, betraten das Büro. Ob sie dem Chef einen jungen Syrer als Praktikanten ans Herz legen dürften? Was kann der junge Mann denn, lautete die schmucklose Frage. Es stellte sich heraus: Der etwa 20jährige war zwar sympathisch, sprach aber trotz monatelangen Aufenthaltes in Berlin kaum ein Wort Deutsch und von Autotechnik hatte er nicht den Anflug einer Ahnung.
Der gründlich mißlungene Versuch einer Integration also, wie sie von Politik, Wirtschaft und einer teilweise noch von romantisierender Willkommenskultur geprägten Öffentlichkeit gebetsmühlenhaft als Forderung erhoben wird. Bringt die Leute in Arbeit, sie sind gut, hoch gebildet, sie können viel, alles weitere kommt von alleine, heißt es oft. Alles heiße Luft! Das Trio zog frustriert ab, nicht ohne bösartig anzumerken, wahrscheinlich hätte der Chef doch nur etwas gegen Ausländer.
Das ist die Ebene, auf die sich inzwischen die Diskussion über das Wohl und Wehe von Asylanten und Flüchtlingen weitgehend verlagert hat. Sachargumente zählen nicht, es wird diffamiert, diskreditiert und häufig genug gepöbelt. “Auch so’ne Pegida-Type”, “Rechtspopulist”, “Nazi”. Auf wessen Kopf, gleich ob jung oder alt, “kein Halm mehr sprießt”, macht sich als intolerante “Glatze” und “Ausländerfeind” verdächtig und muss es sich immer häufiger gefallen lassen, dass er beleidigt oder gar körperlich angegriffen wird. Bestimmte Kieze, meint auch die Polizei, sollte man besser meiden, wenn irgendmöglich, zumal abends oder gar nachts.
Die ‘Alternative für Deutschland’ (AfD) gewinnt immer mehr Mitglieder für sich, Anhänger und Sympathisanten. Spenden fließen, im Internet wird die politische Situation im Land (heftig!) kritisiert und zugleich Solidarität mit der AfD geübt, die Zustimmung, wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz, steigt unaufhörlich, inzwischen, Anfang Februar 2016, zur drittgrößten politischen Kraft in Deutschland. Für die etablierten Parteien zeichnet sich ein Desaster ab. Die Parole heißt jetzt “Angriff”, nachdem intellektuelle Auseinandersetzungen, so dürftig sie auch immer gewesen sind, nichts bewirkt haben. Die “Menschen draußen im Lande”, wie sie Helmut Kohl genannt hat, lassen sich nicht mehr länger an der Nase herumführen. Sie haben ihr eigenes Urteil gefunden.
Auf den gegen die AfD in Demonstrationen mitgetragenen Plakaten, vorzugsweise linker Krakeeler, stehen schon lange keine Argumente mehr, sondern zwei Schlagworte: Hass und Hetze. Hass würde gegen Asylanten verbreitet, Hetze gegen Flüchtlinge. Oder die umgekehrte Variante. Wäre diese sprachlich-emotionale Aufstachelung gegen die AfD und ihre Mitglieder nicht so gefährlich, könnte man in lautes Lachen verfallen. Wer “hetzt” denn in Wirklichkeit in Deutschland, wer verbreitet Lügengeschichten voller Hass? Der vermeintlich zu Tode gekommene Asylbewerber in Berlin-Moabit, verhungert, verdurstet, erfroren, resigniert – wessen ungeheuerliche und Hass säende Erfindung von Refugees-welcome-Apologeten war das denn? Wer zündete zuletzt zahlreiche Autos an, wer überfällt gelegentlich Demonstranten und prügelt sie fast zu Tode? Überall in Deutschland, besonders in den drei Bundesländern, wo in Kürze gewählt wird, überdauern Wahlplakate der AfD meist nur wenige Stunden; die politischen Gegner halten diese Form der kriminellen Auseinandersetzung mit der AfD ebenso für legitim. Und nicht nur das: Auch noch für legal.
Die AfD, überall in Deutschland, hat sich von Gewalttaten als kriminelles Mittel einer nicht zu duldenden politischen Unkultur  immer distanziert. Wenn nun namhafte Repräsentanten der ‘Altparteien’ politische Gegner aus den Reihen der Pegida-Bürgerbewegung als “Schande für Deutschland” (Justizminister Maaß) oder “Pack” (Vizekanzler Gabriel) titulieren und letzterer seit Neuestem der AfD sogar den Button der Verfassungsfeindlichkeit anheftet, so ist das alles ein Zeichen ihrer wachsenden Sorge. Die Regierung weiß nicht mehr weiter! Hektisch verändert sie ihre Richtung, sie fürchtet das Volk, gibt sich zu antidemokratischen Beschlüssen her und will mit AfD-Politikern nicht vor Fernsehkameras auftreten.
Wer, fragen wir abermals, verbreitet in diesem Land “Hass” und wer betreibt “Hetze”?

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